Kehrt um!

Kürzlich begann ein Theologe seinen Vortrag mit der Frage an seine Zuhörenden: „Seid Ihr hier, um etwas Neues zu lernen, oder um in dem bestätigt zu werden, was Ihr ohnehin schon wisst?“ Eine grandiose Frage!

Wie oft nutzen wir Menschen Informationen, die wir aufnehmen, Wissen, das wir uns aneignen, Dinge, die wir erfahren, nur dazu, das Bild, das wir von uns, vom Leben oder vom anderen haben, zu zementieren? Da werden die Dinge auch gerne selektiv wahrgenommen, damit es (uns in den Kram) passt. Denn wer sich bestätigt, der stellt sich nicht in Frage, der ist sich seiner Sache sicher, und: Der muss sich nicht ändern!

Für Christinnen und Christen ergibt sich damit nur ein Problem: Auf Jesus kann man sich dafür nicht berufen. In ihm hat Gott radikal Neues gewirkt – er selbst ist einer von uns geworden –, und Jesus fordert nichts geringeres von uns als neues Denken. Genau das heißt sein Aufruf „Kehrt um!“ (Mk 1,15) wörtlich übersetzt.

Wie wird mein Denken neu? Zuallererst, indem ich anerkenne, dass ich nicht der Mittelpunkt der Welt bin, sondern dass mir Gott mit seiner Gegenwart immer schon voraus ist; und dass ich anerkenne, dass mir Gott im anderen begegnet und damit der andere in die Mitte meines Denkens und meines Handelns rückt. Wenn wir damit ernst machen, verliert das, was wir über unser Leben zu wissen meinen, seine Gültigkeit. Dann erfahren wir, was Gott von unserem Leben hält und daraus machen will. Und das ist wirklich neu.

Dr. Marc Möres