Großes im Kleinen

„Männerwochenende“. Mein achtjähriger Sohn und ich sind gemeinsam unterwegs. Wir sitzen im Planetarium und warten, daß es losgeht.

Mit Beginn der Vorführung vergesse ich alles um mich herum. Es reißt mich in die Schönheit, Größe und Würde dessen, was ich sehe: Unser Sonnensystem, unsere Galaxie, die Milchstraße, Sternbilder… Wir fliegen zum Sternhaufen Omega Centauri, der 10 Millionen Sterne umfaßt und ca. 17 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Sterne rauschen an uns vorbei. Was ich sehe und höre, fasziniert mich.

Mit einem Mal kippt meine Begeisterung. Fragen drängen in meinen Kopf: Du glaubst doch an einen Schöpfer des Himmels und der Erde. Ist es nicht absurd, an einen Gott zu glauben, der so groß ist, daß er all das erschaffen hat? Ist es nicht noch abwegiger, daß dieser Gott sich für ein Staubkorn namens Erde interessiert? Oder für das, was darauf geschieht und sogar für – mich? Faszination weicht Einsamkeit…

Tagelang bedrängen mich diese Fragen. Irgendwann bedankt sich meine Frau für etwas, das ich eigentlich unbedeutend fand. Ich freue mich und denke: Das ist doch ein Wesensmerkmal der Liebe, auf das scheinbar Unbedeutende zu achten und im Kleinen das Wertvolle zu entdecken. Ich komme wieder in Bewegung:

Gott ist die Liebe, sagt uns die Schrift (1 Joh 4,16). Er macht sich selber klein und das Kleine groß. Der Besuch im Planetarium hat mir eine Idee davon gegeben, wie sehr das stimmt. Er vergißt seine Erde nicht; er blickt mich an – und er blickt dich an.

Dr. Marc Möres