Buchempfehlungen
Jeden Menschen beschäftigt in einem gewissen Alter die Frage der Theodizee, also warum der gute und allmächtige Gott Schreckliches zulassen kann. Naturkatastrophen, Kinderschänder, Genozid, Mord und Totschlag. Nach Auschwitz ist Gott für mich gestorben, schrieb Gottfried Benn.
In immer neuen Anläufen hat die abendländische Philosophie das Problem des Bösen in der Welt aufgegriffen und zu ergründen versucht. Das Ergebnis waren Aussagen wie: „Gott will das Böse nicht.“ „Die Freiheit des menschlichen Willens beinhaltet auch die Möglichkeit, böse zu handeln.“ Man wich auf das Konzept von Primär- und Sekundärursachen zur Entschärfung der Bösartigkeit von Naturkatastrophen aus und verwies auf die wundervolle Dichtung im Buche Hiob, wo dieser von Gott zur Rede gestellt wird: Wo warst du, als ich die Erde gegründet? / Sag es denn, wenn du Bescheid weißt. (…) Haben dir sich die Tore des Todes geöffnet, / hast du der Finsternis Tore geschaut? Hast du der Erde Breiten überblickt? / Sag es, wenn du das alles weißt. (…) Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? / Der Gott anklagt, antworte drauf! (Hiob 38, 4, 17, 18; 40, 2).
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Ich bin bereit, ein treuer Sohn Christi in Seiner Kirche zu sein. Ich sehe Gottes Güte als allüberragend, Seine Liebe als allumfassend an, neben der die Frage nach der Theodizee ein Nebengeleise bleibt. Und trotzdem ballt sich mir die Faust in der Tasche, wenn ein Kind grausam umgebracht wird oder ein ganzes Volk sinnlos leiden muss. Wem bleibt da nicht die Frage, warum der liebe Gott nicht innerweltlich rettend handelt?
Das Buch „The Shack“, in der deutschen Übersetzung „Die Hütte“ behandelt diese Frage „Wo warst Du, Gott?“ in einer wundervollen Erzählung. Auch hier findet sich keine letzte Antwort, aber doch eine mit enormer emotionaler und argumentativer Kraft geschriebene Annäherung an den Gott, der sie geben kann. Ich traue mich zu behaupten, dass hier aus dem amerikanisch-evangelikalen Lager eine der besten argumentativen Zusammenfassungen der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes und der Dreifaltigkeitslehre, gelungen ist, die ich bisher in Händen gehalten habe.
Am Anfang mag es befremden, dass Gott Vater eine riesige afroamerikanische Mama ist, die „Papa“ genannt wird, dass der heilige Geist die Gestalt einer etwas durchsichtigen Dame aus Asien hat, dass der Held der Geschichte mit Jesus in gestalt eines hünenhaften orientalisch aussehenden Schreiner unter dem klaren Nachthimmel auf einem Bootssteg liegt – und sich alles nur ums Essen zu drehen scheint. Aber im Laufe der Geschichte wird man hinein genommen, in die Beziehung der dreifaltige Liebe Gottes, die sie überzeugend darstellen.
Einzig über die Ekklesiologie dieses Büchleins ließe sich streiten. Aber ich würde ich raten, über die entsprechenden Stellen einfach hinweg zu lesen. Es sind nur ein paar Seiten in einem sonst wirklich wunderbaren Werk, das für viele Leser eine völlig neue Nähe zur Trinität und ein untrügliches Gefühl der Gotteskindschaft schaffen wird.
Dr. Erich Prinz von Lobkowicz
Gebundene Ausgabe:
304 Seiten
Verlag: ALLEGRIA
(15. Juni 2009)
ISBN-10: 379342166X
ISBN-13: 978-3793421665
Originaltitel: The Shack
Größe und/oder Gewicht:
19,4 x 15 x 2,8 cm

