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Malteser Geistliches Zentrum

Geschichte der Malteser

Die Kapelle der Malteser Kommende  beherbergt ein besonderes Marienbild: die Ikone der Muttergottes von Philermos.

Seit der Gründung des Ordens wird Maria, die Mutter Gottes, als zweite Ordenspatronin durch die Malteser verehrt. Die Ikone der Muttergottes von Philermos, einem Berg auf der Insel Rhodos, begleitet die Malteser seit der Zeit des Ordens auf der griechischen Mittelmeerinsel. Kopien der Ikone schmücken daher die Kapellen und Kirchen des Ordens weltweit. Der Ikonenschreiber, der die Abschrift der Ikone im Jahr 2003 für die Kommende in Ehreshoven angefertigt hat, hat sie durch einen Rahmen ergänzt, der die wichtigsten Stationen der Geschichte des Ordens illustriert sowie wichtige Persönlichkeiten darstellt, die diese Geschichte im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben: den Ordensgründer Gerhard, den Ordenspatron Johannes den Täufer, den Verfasser der ersten Ordensregel Raimund von Puis und viele Ordensheilige.

Anhand der Bilder der Ikone wird die Geschichte der Malteser in ihren wichtigsten Stationen lebendig.

Jerusalem 1099-1193

Um das Jahr 1048 war von Kaufleuten aus der italienischen Stadt Amalfi in Jerusalem unweit der Grabeskirche ein Hospiz gegründet worden, um Pilgern, ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse, Schutz und Obdach gewähren zu können. Zur Zeit des ersten Kreuzzugs (1099) erlangte die kleine Bruderschaft, die sich dort zusammengeschlossen hatte, unter der Leitung des seligen Bruder Gerhard Unabhängigkeit. Mehr und mehr rückte die Sorge und Pflege von Kranken und Bedürftigen in den Mittelpunkt der Tätigkeit. Viele Ritter des Kreuzzuges, die im Hospital Aufnahme erfahren hatten, schlossen sich der Bruderschaft an und weihten ihr Leben dem Dienst an den Kranken. Im Jahr 1113 bestätigte Papst Paschalis II. die Umwandlung eines Teils der Laienbruderschaft in einen Orden. Durch die Bulle erhielt das Hospital vom heiligen Johannes dem Täufer den Status eines religiösen Laienordens. Die Ritter waren Religiose, verpflichtet durch die drei monastischen Gelübde der Armut, der Enthaltsamkeit und des Gehorsams.
Der Orden erfreute sich einer außerordentlichen Popularität im christlichen Abendland und erhielt Unmengen von Schenkungen. Binnen weniger Jahrzehnte entstanden hunderte Niederlassungen des Ordens in vielen Ländern Europas.

Akkon 1193-1291

Mit der Gründung des christlichen Königreiches von Jerusalem wuchs dem Orden die Aufgabe des militärischen Schutzes der Kranken und Pilger sowie der eigenen medizinischen Versorgungszentren und wichtigsten Verkehrsverbindungen zu. Schnell wurden eine Reihe weiterer Hospize auf dem Pilgerweg gegründet.
Neben dem Hospitaldienst übernahm der Orden die Aufgabe der Verteidigung des Glaubens. Der Wahlspruch „Tuitio fidei et obsequium pauperum“ bezeichnete von da an die beiden Schwerpunkte seiner Tätigkeit: als Ritter- und Hospitalorden.
Aufgrund der Besetzung Jerusalems durch Sultan Saladin war Akkon zum letzten Stützpunkt der Christen und Sitz des Großmeisters geworden. Hier erfuhren der Orden eine Neuorganisation als Ritterorden unter den Leitideen der Internationalität und Adeligkeit. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts gliederten sich die Institutionen des Ordens und die Ritter nach den gesprochenen Sprachen in Zungen. Zunächst sind es sieben Zungen: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragon (Navarra), England (mit Schottland und Irland) und Deutschland. Im Jahr 1492 wird eine achte Zunge gebildet, die von Kastilien und Portugal. Jede Zunge hatte Priorate oder Großpriorate, Balleien und Kommenden.
Nach dem endgültigen Verlust des Heiligen Landes flüchteten die wenigen überlebenden Ordensritter zunächst nach Zypern, wo man weitere Hospitäler gründete und, begünstigt durch die strategisch günstige Lage der Insel, eine Flotte zum Schutz der Pilger auf ihrem Weg in das Heilige Land aufbaute.

Rhodos 1310-1522

Im Jahr 1310 besetzte der Orden die Insel Rhodos und konstituierte sich dadurch als souveräner Staat. Die durch päpstliche Dekrete garantierte Unabhängigkeit des Ordens von anderen Staaten sowie das allgemein anerkannte Recht, bewaffnete Streitkräfte zu unterhalten und Botschafter zu ernennen, bildeten die Grundlage für seine internationale Souveränität. Seine Aufgabe lag in erster Linie darin, als starke Seestreitkraft durch eine mächtige Flotte den Schutz der christlichen Welt im östlichen Mittelmeer zu garantieren und „Bollwerk“ gegenüber dem türkischen Weltreich zu sein. Neben der politischen Unabhängigkeit und der militärischen Spezialisierung blieb die Idee des Hospitalordens freilich weiter präsent.
Prägende Ereignisse jener Zeit waren zwei Belagerungen der Insel: Während die erste 1480 mit dem Abzug der zahlenmäßig deutlich überlegenen Türken endete, mußten die Ritter bei  der zweiten 1522 nach sechsmonatiger Belagerung und schweren Kämpfen gegenüber Sultan Suleiman dem Prächtigen kapitulieren und Rhodos verlassen.

Malta 1530-1798

Von Karl V. erhielt der heimatlos gewordene Orden die Insel Malta als Lehen, um dem Kaiser, dessen politisches Interesse sich vor allem auf die „Neue Welt“ richtete, als Bollwerk gegen das Osmanische Reich wie die Piraterie im Mittelmeer den Rücken freizuhalten. Bei der „Großen Belagerung“, die  über drei Monate dauerte, wehrten die Ritter die zahlenmäßig weit überlegenden Türken ab. Der Sieg brachte dem Orden im Abendland den Ruhm als „Schild der Christenheit“ ein. Die Ritter veränderten Malta durch eine Reihe bedeutsamer Baumaßnahmen: Paläste und Kirchen wurden errichtet, neue gewaltige Verteidigungsanlagen und Gärten angelegt. Die Hauptstadt erhält den Namen des Großmeisters: La Valetta. Mit dem Bau eines neuen großen Hospital, das als eines der am besten organisierten und effizientesten der Welt galt, der Einrichtung einer Anatomieschule und einer medizinische Fakultät leistete der Orden bedeutsame Beiträge zur Entwicklung insbesondere der Augenheilkunde und Pharmakologie.
1798 besetzte Napoleon Bonaparte, auf dem Weg nach Ägypten, Malta wegen seiner strategischen Bedeutung und vertrieb den Orden von der Insel.

Rom seit 1834

Nach Vertreibung des Ordens sowie verschiedenen wechselnden Ordenssitzen wurde Rom Sitz des Malteserordens.
Die Situation des Niedergangs bedingte eine Neubesinnung auf die Ursprünge als Hospitalorden. Angesichts der nur noch geringen Zahl von Professrittern gründeten katholische Adelige in Deutschland und anderen Ländern nationale Assoziationen des Malteserordens, so 1859 die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Devotionsritter und 1867 den Verein der Schlesischen Malteserritter.  Ihre Mitglieder sind meist verheiratete Ehren- und Devotionsritter, die keine Professgelübde ablegen, aber versprechen, nach ihren Möglichkeiten den Glauben zu bezeugen und den Armen und Kranken zu dienen. Von den Assoziationen ging die Wiederbelebung der Hospitalidee des Ordens aus, etwa durch Lazarettdienste in verschiedenen Kriegen des 19. Jahrhunderts und die Gründung erster Krankenhäuser in Deutschland.

Ehreshoven seit 2000

1953 wurde in Deutschland durch die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Devotionsritter und den Verein der Schlesischen Malteserritter gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband der Malteser Hilfsdienst gegründet. Mit diesen Hilfsorganisationen lädt der Orden die Bevölkerung zur Mitarbeit ein. Millionen Menschen unterstützen als Mitglieder und Spender die umfangreichen Tätigkeiten der verschiedenen Malteser Organsationen, die sich im Laufe der Zeit aus den beiden Kernaufgaben des Malteser Hilfsdienstes – Erste Hilfe und Katastrophenschutz – entwickelt haben.

Als Tagungshaus sowie zur Pflege des geistlich-religiösen Auftrags der Malteser  wurde im Jahr 2000 die Malteser Kommende mit dem Geistlichen Zentrum errichtet.

Literatur zur Geschichte der Malteser

Aus der Vielzahl an Publikationen über die Geschichte des Malteserordens haben wir eine Auswahl getroffen, die wir zur einleitenden Lektüre empfehlen. Sie finden sie hier.

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