Navigation
Malteser Geistliches Zentrum

Die Kapelle

Wer den Innenhof der im Jahr 2000 neu errichteten Malteser-Kommende in Ehreshoven betritt, wird bald inmitten des Gebäudekomplexes den kleinen Dachreiter entdecken, dessen Glocke die Tagzeiten einläutet: morgens, mittags, abends. Er krönt das Dach über dem Teil des Gebäudes, in welchem sich die Kapelle befindet. Sie ist die Mitte dieses Hauses, das der Schulung und geistlichen Vertiefung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Malteser Werke und -Einrichtungen sowie der Mitglieder des Malteserordens dient. Ebenso sind auch alle anderen Gäste willkommen, die dieses Haus für ähnliche Zwecke nutzen möchten.

Die Kapelle ist von der chilenischen Künstlerin, Frau Maria J. Fernandez, ausgestattet worden. Die ganze Arbeit des Malteserordens mit seinen Werken und Diensten ist Ausdruck des Glaubens an den gegenwärtigen Herrn, der sich durch die Seinen den Armen und Hilfsbedürftigen zuwendet. Dieses geistliche Fundament der Malteser muss im Herzstück der Kommende, in der Kapelle, anschaulich zum Ausdruck kommen.

900 Jahre haben Malteser diesen Dienst für Gott und die Menschen getan und sich immer wieder auf die Anfangszeit berufen. "Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen." So prophezeite der erste Ordensmeister im St. Johannis Hospital in Jerusalem, der Selige Bruder Gerhard. Sein Gründungscharisma liegt als Segen auf dem Malteserorden und seinen zahlreiche Werken. Er ist der Patron unserer Kapelle. Den Brunnen im Innenhof krönt seine Statue. Segnend weist seine rechte Hand auf das Portal der Kapelle, auf dessen Tür die Geschichte des Ordens dargestellt ist.

Das Eingangsportal

Eingangstür und Fries

Vom Innenhof führt eine schwere zweiflügelige Tür in die Kapelle. An ihrer Außenseite findet sich oben ein Fries, der Szenen aus dem Leben Jesu, des Heilands, zeigt. Zum Zeichen, dass das Reich Gottes begonnen hat, heilt er Kranke, wie es besonders im Lukasevangelium beschrieben ist. Dort findet sich im 5. Kapitel der Bericht von dem Gelähmten, der von seinen Freunden zu Jesus gebracht wird. Wegen der vielen Menschen können sie nicht zu ihm durchdringen. Deshalb decken sie das Dach ab und lassen ihren gelähmten Freund auf seiner Tragbahre direkt vor Jesus hinunter. Es ist ein Bild für den Malteser-Dienst: Im Glauben an die heilende Kraft Gottes sollen Menschen mit Jesus Christus in Verbindung gebracht werden, welcher der Arzt für Leib und Seele ist. Als Jesus "ihren Glauben sah" (Lk 5,20), gewährte er dem hilflos Kranken zunächst innere Heilung von seinen Sünden, dann äußere Heilung seiner körperlichen Gebrechen. Solche Erfahrungen sind wie ein Eingangstor zum vollen Glauben an den Herrn; daran erinnern die Bilder auf dem oberen Fries der Kapellentür.

Der untere Fries stellt Szenen aus der Malteser-Geschichte dar. Man erkennt die wichtigen Etappen: Jerusalem, den Ort der Gründung, dann Rhodos, Malta und schließlich Rom – ergänzt durch ein Stadtbild unserer Zeit. Von Jerusalem nach Rom: Das ist nicht nur der Weg der Malteser, sondern auch des christlichen Glaubens insgesamt. In Einheit mit dem Papst und so mit der ganzen Kirche sollen die Malteser wiederum in die Welt hinausgehen, um den Glauben zu bezeugen und den Armen zu dienen. Die Kapellentür wird zum Symbol des Eintritts in die Gemeinschaft mit dem Herrn und gleichzeitig zum Symbol der Sendung hinaus in die Welt.

Der Innenraum

Das bronzene Weihwasserbecken mit dem Symbol des Heiligen Geistes lädt dazu ein, sich an das Eingangssakrament des christlichen Glaubens, die Taufe aus Wasser und Heiligem Geist, zu erinnern und sich erneut unter den Namen des dreifaltigen Gottes zu stellen.

Der Raum selbst öffnet sich dem Besucher in einem warmen, goldgelben Licht. Zunächst wird der Blick von der Apsis angezogen. Sie ist ein Stück weit in die umgebende Landschaft hinaus gebaut und gibt so der Kapelle Tiefe und zugleich Verbindung nach außen. Die Apsis empfängt von oben und von den Seiten indirektes Licht. Links und rechts davon sind durch eine etwas vor die Außenwand vorgesetzte Mauer zwei flankierende Nischen entstanden, die ebenfalls indirektes Licht von oben empfangen. Die linke Nische nimmt die Statue der Muttergottes mit dem Kind auf, die rechte Nische eine Darstellung des Täufers Johannes, des Patrons des Ordens.

Der Kapellenraum bekommt seine Prägung auch durch die Kirchenbänke aus massivem Eichenholz und durch die diskrete, warme Deckenbeleuchtung, die das natürliche Licht von der Apsis her und von den beleuchteten Konchen ergänzt. Der Raum wird hell auch durch die Technik, mit der die Wände bearbeitet sind. Der im Kölner Raum tätige Meister Gassert hat sie in der Technik der Fresken unter Nutzung von Erd-Pigmenten in mehreren Schichten bemalt.

Altar, Sedilien und die Bänke sind aus gekälkter Eiche von der Firma Wirtz aus Bedburg mit großer Sorgfalt und künstlerischem Geschick erstellt.

Der Fußboden ist aus Travertino Romano, einem edlen Material mit einfacher Struktur, die das Design vom Schnitt der Steinmetze erkennen lässt. Die Bodengestaltung gibt dem Raum eine große Ruhe.

Dann geht der Blick nach rechts und wird von dem massiven Gitter aufgefangen, das die vierzehn Kreuzwegstationen zeigt und den rechten Kapellenflügel mit dem Tabernakel schützt. So entsteht durch dieses Trenngitter ein eigener Anbetungsraum vor dem Allerheiligsten.

Die Ausstattung

Die Apsis symbolisiert den Himmelsraum. Die Seitenfenster bestehen aus Antikglas aus der Glashütte St. Just in Frankreich (kobaltblau) und aus Waldsassen (Opal-Glas). Die Glasmalerei wurde in einfacher, symmetrischer Form gehalten. Zwei Friese auf jeder Seite in kobaltblau enthalten einfache Ornamente, die sich auf Gottvater und die Engel beziehen, sowie Blumen und Fische als weitere christliche Ornamente. Die Künstlerin denkt daran, die Apsis später noch mit einem "fresco buono" und einem "fresco secco" auszumalen.

Das Kreuz in der Apsis ist so gestaltet, dass sich die drei Enden der Kreuzbalken zu jeweils drei Blüten und Knospen fügen. Die Barockzeit symbolisierte mit dieser Gestaltungsweise die Freude über die Auferstehung nach dem Tod, das Erblühen neuen Lebens aus dem Kreuz. Der Corpus stammt wahrscheinlich aus Flandern und wird in die Barockzeit (17./18. Jahrhundert) datiert. Das Kreuz wächst als der wahre Lebensbaum vital aus dem Boden der Apsis; es ist die Quelle bleibenden Lebens.

Der Altar ist, wie auch die entsprechend geformten Sedilien, aus massivem Eichenholz. Er ist in seiner Wuchtigkeit Ort des eucharistischen Opfers und in seiner durch die offene Mitte entstehenden Leichtigkeit Tisch für das eucharistische Mahl in einem. Vorne befindet sich die Darstellung einer Weizenähre als Hinweis auf das eucharistische Brot. Die Lasuren von Altar und Sedilien sind mit Ölen bemalt, eine besondere Form der Holzbehandlung.

Die Madonna mit dem Kind stammt vermutlich aus Portugal (Barockzeit, 17.-18. Jahrhundert). Ihre Krone kehrt als formales Element in der Tabernakelgestaltung wieder.

Das Lesepult ist eine Bronzearbeit; es wächst, mit der gleichen vitalen Kraft wie das Kreuz, aus dem Boden. Auf der Vorderseite ist das Pfingstgeschehen aus dem 2. Kapitel der Apostelgeschichte dargestellt: Maria und die Apostel, die den Heiligen Geist in Gestalt von Feuerzungen empfangen. In seiner ausstrahlenden Kraft muss das Evangelium verkündet werden, damals und heute.

Der Kreuzweg ist in das die beiden Raumteile der Kapelle trennende Gitter eingearbeitet. Wie Tabernakel und Ambo besteht das Gitter mit den Kreuzwegfiguren aus Bronze. Es ist in einer komplizierten Technik in vier Stücken im Sandguss gegossen. Die Figuren sind in verlorenem Wachs gegossen und mit Bronze in das Gitter eingeschweißt. Das ganze Werk hat ein Gewicht von 1500 kg. Am Anfang des Kreuzwegs ist die geöffnete Tür, das Tor, das in das Leiden hinein führt. Am Ende öffnet sich das Fenster, das zum Blick auf den Tabernakel einlädt, den Ausblick auf die göttliche Herrlichkeit, die Seligkeit des im Sakrament schon gegenwärtigen himmlischen Lebens.

Dominierend ist das vierzehn mal wiederkehrende Kreuz, das wie eine Längsachse den Kreuzweg bildet. Es enthält eine sich entwickelnde Dynamik zu dem aufgerichteten Kreuz, an dem der Herr sein Erlösungswerk vollbringt und mündet in die ruhige, gelöste Phase der letzten Station.

Die Figuren von Maria, Simon und Veronika drücken in ihrer Haltung die Nähe der Beziehung zu Jesus aus, wie auch die anatomische Gestaltung des Herrn selbst seine Zuwendung und Hinneigung zu uns Menschen darstellt, seine Liebe, die bis in den Tod geht. Das Gitter inmitten des Kapellenraumes lädt ein, den Kreuzweg betend mitzugehen. Es geht darum, den Herrn, der die Seinen bis zur Vollendung liebte, auf seinem Weg zu begleiten, wie immer er den einzelnen Menschen dazu ruft. Simon, Veronika und Maria sind Beispiele dafür. Wenn man den Kreuzweg bis zum Ende geht, so steht dort der Tabernakel. Das Gitter hat eine große Masse und Kraft und doch auch eine Transparenz: Es wird durchlässig für die verborgene Gegenwart des Herrn im Sakrament.

Der Tabernakel ist geborgen in der durch das Kreuzweggitter abgeteilten Seitenkapelle. Sie lädt ein zum stillen Gebet, zur eucharistischen Anbetung. Der Tabernakel ist zusammen mit dem Tresor aus einem Stück gegossen. Im hinteren Teil ist das Malteserkreuz eingearbeitet; es stellt die oft blutige und harte Geschichte der Malteser in den Zusammenhang mit dem eucharistisch sich verschenkenden Herrn.

Die runde Form ist bedeutsam. Ursprünglich war der Tabernakel für die Apsis gedacht; deren Rundung sollte ihn aufnehmen, wie der Schoß der Gottesmutter, in welchem sich Gottes Sohn bergen wollte.

Der brennende Dornbusch (vgl. Ex 3,1) auf dem Tabernakel, sowie die Engel weisen auf die Offenbarung Gottes hin, die in der Eucharistie ihren endgültigen Abschluss findet. Zugleich sind es marianische Symbole: Verkündigung und die Reinheit der Gottesliebe, die brennt und doch nicht verbrennt. Der Tabernakel ist gekrönt mit den Engeln und nimmt damit die Form der gekrönten Madonna auf der anderen Seite der Kapelle auf.

Der tiefe Bogen im Inneren des Tabernakels ist sehr kostbar gemacht durch eine mehrmalige Vergoldung. Wenn die Türen des Tabernakels geöffnet sind, strahlt das prachtvolle Innere nach außen.

Über dem Tabernakel ist ein von Josepha Freifrau von Fürstenberg geschaffenes Fenster. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes ist aus rotem Cadmium aus St. Just gestaltet. Mit der Technik der Flusssäure wurde das Glas geätzt. In einer diagonalen Linie schwebt der Heilige Geist zu dem Besucher in die Kapelle.

Die Kapelle lebt durch die Gegenwart des Herrn im Sakrament, die durch die rote Ampel über dem Tabernakel angezeigt und symbolisiert wird. Sie lebt durch das Gebet der Menschen, die in diesem Raum voller Symbole Gott suchen und ihn im Gottesdienst verehren, um so Frieden und Stärkung zu finden für den Dienst, der ihnen aufgetragen ist: Sich selbst und den Sinn des eigenen Lebens zu entdecken im Zeugnis für den Glauben an den dreifaltigen Gott und im Dienst an den Armen und Bedürftigen.

Weitere Informationen